A Travellerspoint blog

San Cristobal de Las Casas

all seasons in one day

Wir sind jetzt seit knapp 3 Wochen in San Cristobal und haben ein paar Mal unser Guesthouse gewechselt. Es ist sehr viel passiert in dieser Zeit, zu viel fuer ein Bericht deshalb teil ich ihn zwei Teile auf.

Als wir in unser erstes Guesthouse eintraten wurden wir von zwei halbwachen Jugendlichen empfangen die im Empfangsraum auf der Couch lenzten und eine Weile brauchten bis sie bemerkten, dass jemand hereingekommen ist. Wir fragten sie nach "Dormitorios" (Gruppen-Schlafraeume) weil wir vorhatten mal ein bischen Geld zu sparen und einer von den beiden schleppte sich durchs Haus und zeigte uns die Zimmer.

Das war unsere Schlafstaette fuer die naechsten 8 Tage

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Die Kollegen waren zwar nicht so ganz im Hier und Jetzt aber das Haus schien gediegen zu sein und wir entschieden uns dazu, ein paar Naechte hier zu bleiben. Wir wurden gefragt woher wir kaemen und sofort wurd eine deutsche Freundin herbeigerufen die schon seit Monaten in der Stadt ist und auch nicht viel wacher wirkte als die Jungs...es war etwa 18 Uhr. Es war nicht so ganz klar wer hier der Boss war, gibt es ueberhaupt einen? Alle machten den Eindruck als ob sie zum Haus gehoerten aber keiner machte den Eindruck, dass er ansprechbar ist. Da stimmte doch etwas nicht, dachten wir uns, das war mehr als nur Siesta, auf was fuer Drogen sind die? Wir wurden auch gleich gefragt, nicht OB wir Drogen wollen sondern WELCHE es denn sein sollen...nee nee, lass mal Amigo.

Wir wachten auf und wurden von einem 12 jaehrigen Rastamann im Hof empfangen der uns als erstes auf Englisch Fragte ob wir seine X-Men Comics sehen wollen...klar, cool, lass mal sehen. Seine Mutter stand in der Kueche und bereitete das Fruehstueck vor. Sie fuehrte uns noch ein zweites Mal durchs Haus, diesmal vollstaendig, klaerte uns ueber die Hausregeln auf und machte klar dass wir nie, nie, nie jemand anderem die Miete bezahlen sollen als ihr. Alles klar, sie war hier der Boss. Und sie war es wirklich, eine tolle Frau, bildhuebsch, mit Dreadlocks fast bis in die Huefte und einer Ausstrahlung wie Tracy Chapmann. Sie war mit ihrem Sohn aus den Staaten hergekommen, und geblieben. Wir assen zu Fruehstueck, lernten ein paar andere Gaeste kennen und wollten dann endlich die Stadt auskundschaften gehen.
Als wir vor die Haustuer traten stand sofort die Bande von gestern um uns herum, empfing uns mit "Doischlaand" rufen und war wie wild darauf aus uns die Stadt zu zeigen...diesmal hellwach. Alles klar ihr Gauner, dann mal los.

Singend durch die Gassen. Vorbei an alten Kirchen, Buddhistischen Zentren, Tatoo-Shops, Musiklaeden, unzaehligen Restaurants (Von Falafel ueber Indisch bis Italienisch ALLES im Angebot), Metzgern, Obstlaeden und allen moeglichen anderen Ramschlaeden.

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Die Stadt besteht, ausser einer zweispurigen Durchgangsstrasse, ausschliesslich aus Einbahnstrassen, welche nie breiter als 10 Meter sind und gesaeumt sind von sehr schmalen, dafuer aber teilweise bis zu einem halben Meter hohen Gehsteigen. Direkt an die Gehsteige grenzen die Hausfassaden an, durch deren Eingaenge man in praechtige Innenhoefe und Gaerten schauen kann in denen sich hier die Haelfte des Lebens abspielt.

Wir liefen mit den Jungs durch einen Markt von dem jeder Regisseur traeumt wenn es um Verfolgungsjagten geht. Enge Wege die gesaeumt waren von allen Waren die man sich vorstellen kann. Huehner, Liegestuehle, Kaffekannen, alles. Ich hielt Ausschau nach einer billigen Gitarre. 28 Euro...zack, gekauft. Und sie klingt akzeptabel. Ja Mann, Endlich Musik machen, es kann losgehen.
Die Jungs fragten uns sofort ueber Musik aus, was fuer Instrumente wir spielen, was wir am liebsten hoeren und was in Deutschland so laeuft. Sie waren ausser sich als wir erzaehlten dass wir beide Musik machen und sofort wurde sich zur ersten Jam verabredet. Wir setzten uns zusammen mit ihnen in ein Restaurant, liessen uns die besten mexikanischen Speisen empfehlen und unterhielten uns erstmal (so gut es ging) eine Weile ueber Musik.

Apropo Musik. Das ist definitiv einen kurzen Abschweif wert.

Aus jedem einzelnen Laden laeuft hier Musik. Ueberall Musik. Von Morgens 8 Uhr bis Abends 22 Uhr ist die Strasse voller Musik. "Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum"...kommt von Nietzsche, weiser Spruch... Und hier wird er sowas von gelebt. Jeder pumpt was er kann, Good Tune oder Bad Tune, das ist hier die Frage.

Handylaeden aus denen wilder Skapunk droehnt, Restaurants aus denen Life-Musik kommt und Zigaretten-verkaufende Apotheken die mit Soundsystems auffahren als ob Fasching waer, taeglich. Sie haben sich komischerweise als diejenigen herausgestellt die mit die freshste Mucke spielen. Von Punkrock ueber Raggaton bis Salsa, ALLES. Die Internet-Cafes spielen, wenn sie ueberhaupt etwas spielen, definitiv die schaebigste Musik, sie sind tatsaechlich dazu in der Lage Bontempi-Beats im Dauerloop laufen zu lassen.

Die Musik ist hier ewiger Begleiter im Alltag, wenn du hier laermempfindlich bist hast du verloren. Ein deutscher Durchschnitts-Spiesser der um 3 Uhr Mittags staenkert wennn Kinderlaerm von der Strasse kommt, wuerde hier ins Sanatorium einwgewiesen. So siehts aus...und damit kommen wir sehr gut klar. Ueberhaupt, die ganze Geraeuschkulisse in der Stadt ist aussergewohnlich. Gaswagen die die Deckel der Flaschen (Oder was das auch immer ist) ueber die Strasse schleifen und damit lautstark auf sich aufmerksam machen und Wasserwagen, Eiswagen und Pizza-Werbe-Kaefer die durch die Strassen fahren, ihre Waren anbieten und dabei mit ihren "Soundsystems" die ulkigsten Geraeusche machen.
Jetzt versteh ich erst die ganzen Hintergrundgeraeusche auf den Manu Chao Alben, er hat hier vor seinem Clandestino-Album ein paar Jahre Strassenmusik gemacht, das hoert man an jeder Ecke. Der perfekte Soundtrack fuer diese Stadt. Sehr gut.
Eine andere Sache die zwar keine Musik ist, aber definitiv zur Geraeuschkulisse mexikanischer Staedte gehoert, sind die Boeller die hier von morgens bis...morgens...gezuendet werden. Stellt euch vor, dass das ganze Jahr ueber so viel Boeller gezuendet werden wie bei uns an den beiden Tagen vor und nach Sylvester (Nein, ich uebertreibe in keinster Weise). Der Grund ist hier jedoch ein anderer. Mit den Boellern werden hier die boesen Geister vertrieben...von denen es hier viele zu geben scheint.

Die ersten paar Tage verbrachten wir mit den Kollegen vom Posada und liessen uns ins Stadleben einfuehren. Das Spanischsprechen wurde schnell leichter weil man ihm gar nicht erst ausweichen konnte. Das Haus war voller Gaeste aus aller Welt die alle Spanisch konnten, so konnte man immer jemanden auf Englisch oder Deutsch nach spanischen Woertern fragen. Es waren Mexikaner, Englaender, Kanadier, Amis, Italiener, Spanier, Franzosen, Israelis, Deutsche, Oesterreicher, Paraguayaner, Schweden und Belgier im Haus....eine deutliche Ueberzahl davon weiblich.

Wir machten am dritten Tag mit ein paar mexikanischen Touristen eine Tour in ein nahgelegenes Mayadorf....zu Pferd!!! Haetten wir das blos mal sein lassen. Die Pferde waren wohl das faulste was mir je untergekommen ist. Galoppieren? Kannste Haken.... und wenn man es versuchte schlugen sie aus.
Ausserdem war es ein etwas komisches Gefuehl hoch zu Ross und mit Sonnenbrand in dieses Mayadorf einzureiten wie in einen Zoo, sich eine Stunde lang dort aufzuhalten, ein paar Ponchos, Guertel und andere Souvenirs zu kaufen und dann wieder zurueckzureiten. Das war es nicht was wir wollten.

In den darauffolgenden Tagen fuehrte die Bande uns an die schoensten Spots um die Stadt herum und wir verbrachten die Mittage zusammen mit anderen Gaesten an Wasserfaellen, Gebirgsbaechen und Tropfsteinhoehlen, alles umsonst. Dafuer machten wir abends die Einkaeufe von denen die Jungs dann die besten Gerichte kochten.

Die Art und Weise wie die Jungs zusammenlebten war interessant. Das Haus war Treffpunkt, Ruhestaette und Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer eine ganze Clique. Viele von ihnen wohnten mehr oder weniger in dem Haus, passten dafuer von Mittags bis Morgens darauf auf und fuehrten die Gaeste durch die Stadt. Frueh morgens kam dann Semira die Bossin, sorgte bis Mittags fuer Ordnung in der Kueche, den Flueren und den Badezimmern und ueberliess ab 13 Uhr das Haus wieder der Bande.
Jeder von ihnen arbeitete fuer jeden und jeder teilte mit jedem. Einer machte jeden morgen 2 Stunden lang freie Yoga,- und Meditationskurse, stellte Sticker her, ging Sprayen, beschaeftigte sich mit fernoestlicher Philosophie, trank nicht, rauchte nicht und ging frueh schlafen. Ein anderer war voll in dem Rastading drin, machte Capoeira und kiffte was das Zeug haelt (nahm sonst aber garnichts ausser Fast Food zu sich). Noch ein anderer war Goldmund-Maessig unterwegs und den ganzen Tag danach aus Frauen zu finden die etwas hatten was er noch nicht kannte...kein Macho, sehr Gentlemen-like. Und ein weiterer stellte Ketten und Steinschmuck her, sang den ganzen Tag ueber traurige Lieder und rauchte Abends Crack. Verfluchte Drogen, die einzige verkackte Kultur die ueberall auf der Welt vorzufinden ist. Es zerriss mir fast das Herz, der Hermano der mir am meisten ans Herz gewachsen war, der den ganzen Tag so vital und froehlich war, war Abends nich mehr ansprechbar weil er so zugedroehnt war.
So verschieden ihre Hobbies, Einstellungen und Interessen auch waren, ihr Zusammenhalt war unkaputtbar.
Klingt irgendwie komisch aber es war dann ein beruhigender Gedanke, zu wissen, dass ein 20 jahriger Crackjunge der keine Eltern und kein Zuhause mehr hat trotzdem in der Lage ist ein einigermassen geborgenes, glueckliches und friedliches Leben zu fuehren.
Und sie hatten Kultur, aber wie. Sie kochten und assen zusammen, machten Wanderungen in die Berge, gingen auf Konzerte, spielten alle irgendein Instrument, tanzten in Tanzgruppen oder gingen irgendeiner anderen Beschaeftigung nach. Ungebildet war keiner von ihnen und sie alle waren sehr politisch. Antikapitalisten, Anarchisten, irgend sowas (So fing man sich schnell boese Blicke und Sprueche ein wenn man mit einer Coke ins Haus kam).
Man kann mit Fug und Recht behaupten dass sie mehr Kultur hatten als ein Standart-Rhein-Main-Jugendlicher ...Ist das jetzt erfreulich oder beaengstigend? Wahrscheinlich beides...Wie mans sieht!

Die erste Woche verging schnell. Wir waren meistens draussen in der Natur, hatten ausgiebige Unterhaltungen mit anderen Gaesten und sassen abends lange zusammen in der Kueche, tranken Meskal, Tequila und andere Drinks und zelebrierten das Leben, die Lust und den vermalledeiten Poebel...muy loco ;)

Hier ein paar Eindruecke von der Hausbande, wobei das laengst nicht alle sind.

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Und damit ihr nicht vergesst wie wir aussehen :)

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Die Kult-Wand im Hinterhof

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"Natural Art"

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Ein Agressor

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Und unser Barrio

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Und dann war es wieder soweit, die naechste Krankheit. Diesmal Hardcoreschnupfen und Husten, dazu eine gute Portion Halsweh und die Stimme war komplett weg. Scheissendreck, gibts das denn? Fieber hatte ich zum Glueck keins denn das waere dann mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit das Denguefieber gewesen, dessen Verlauf sehr aehnlich ist. Es zieht sich nach einer fuer ein paar Tage zurueck um dann umso heftiger wieder zu kommen.

Nun ja, jetzt hatte ich wieder viel Zeit mit mir selber zu verbringen und konnte lange darueber nachdenken was mein Koerper mir mitteilen will. Ich habe ihn fuer eine lange Zeit ziemlich schlecht behandelt. Das kommt jetzt offensichtlich auf mich zurueck. Hier zeigt er mir gnadenlos wo es langgeht...gute Sache, das.

Die vielen lieben Maedchen aus England und den USA kuemmerten sich jedoch hervorragend um mich und machten mir damit die Krankheit mehr zu einem Genuss als zu einer Last...sie waren wirklich sehr lieb zu mir :)
Ich las viel, schrieb an meinen Songs weiter, jammte mit meinem kleinen Ersatzbruder (Der sinnigerweise auch David heisst;))
oder ging mit einer suessen belgischen Studentin in die Berge um mir Spanisch beibringen zu lassen.

Daniel verbrachte die Tage mit zwei israelischen Freundinnen, von denen ihm eine so sehr den Kopf verdrehte, dass er kurzzeitig ueber eine Auswanderung nach Israel nachdachte (Leben mit Frau, Kind, Haus und Hund ;)). Er machte ausfuehrliche Stadterkundungen, wurde schnell heimisch in der sehr grossen Therapeuten-Szene (Homoeopathie, Yoga, Reiki, Synergetik, Reinkarnation usw. usf.) und meldete sich fuer ein einwoechiges Seminar bei einem Guru-aehnlichen Englaender an (Dazu wird im zweiten Teil noch was geschrieben...sehr interessant).

Ueberhaupt ist die Aussteigerszene hier sehr gross, die Stadt ist voll von Aerzten, Archaeologen, Therapeuten, Paedagogen, Kuenstlern und Pizzabaeckern aus aller Welt die sich hier niedergelassen, eine Existenz aufgebaut und eine neue Heimat gefunden haben. Ausserdem gibt es ziemlich viele fluechtige Straftaeter aus den Staaten die hier her gekommen sind um ein neues, besseres Leben anzufangen. Mexico hat mit keinem Land auf der Erde ein Auslieferungsabkommen, so kommt es, dass es zum Anlaufpunkt fuer viele Menschen aus der Halbwelt wird.

Wir wollten noch abwarten bis meine Krankheit verflogen ist und dann das Posada wechseln. So herzlich und schoen es hier auch war, auf die Dauer wurde es ein bischen anstrengend mit der Bande und es war auch schwer zu verdauen, dass das Trinkgeld was man den Jungs gab teilweise in Crack investiert wurde.

Doch schon kam die naechste Krankheit auf mich zu (Ich nenn es mal Krankheit). Meine Arme, Beine und Huefte waren uebersaet mit komischen roten Punkten die hoellisch juckten. Man sagte mir es seien Bettfloehe und ich solle einfach alle meine Sachen waschen, das Zimmer wechseln und dann sei es gut. Gesagt getan, ich wechselte in ein schoenes Einzelzimmer und wartete darauf dass es vorbeiging. Doch es wurde schlimmer, mein Kopf, mein Ruecken und die Gelenke waren mittlerweile auch befallen und ich hatte so um die 5000 "Stiche" am Koerper. Es machte mich verrueckt, erstens sah es scheiss-haesslich aus und zweitens fuehlte es sich an als ob unter meiner Haut eine Ameisenfamilie dabei ist sich ein neues Reich aufzubauen. AETZEL, KRAETZEL, GEMETZEL, SO STELLE ICH MIR DIE HOELLE VOR.

Langsam wurde es Zeit ins Krankenhaus zu gehen und mal einen richtigen Arzt zu befragen. Im Krankenhaus angekommen bekam ich mit was es hier bedeutet Indigena zu sein. Der Warteraum war voll mit blutenden, stoehnenden und weinenden Mayas die unbedingt schnelle Hilfe brauchten. Das erste was ich dachte war: Das wird ne Weile dauern muessen. Doch anscheinend war ich aufgrund meiner bleichgesichtigkeit ein Mann von groesserer Wichtigkeit. Zu meiner Verwunderung wurde ich sofort in den Behandlungsraum gebeten und umgehend behandelt.

Naja, Behandlungsraum ist wohl der Falsche Begriff. Ich wurde in einem Flur auf eine Trage gelegt und musste dort erstmal zusammen mit anderen, viel schwerer verletzten Patienten, ein paar Minuten warten. Man hatte freien Blick in alle Raeume die von dem Flur aus weggingen, da konnte (musste) man dann mit ansehen wie riesige Fleischwunden genaeht wurden, Rontgenaufnahmen gemacht wurden und Elektroschocks gesetzt wurden. Nicht dass ihr mich falsch versteht, es war durchaus sehr hygienisch doch gewoehnungsbeduerftig war es allemal.
Der 25jaehrige Doktor sah sich die Seuche an die ich auf dem Arm hatte und war sich schnell (fast zu schnell) sicher dass es sich um eine Allergie handelt. Da mein Spanisch fuer ein Arztgespraech noch nicht wirklich reichte war es schwer herauszufinden um welche Allergie es sich handelte (Ich hatte davor noch nie eine Allergie) und der Doktor entschied, mir zwei Cortison-Spritzen zu setzen. Alles klar, Hauptsache du machst irgendetwas um mich aus dieser Juckhoelle zu befreien. Ich legte mich nochmal auf die Bare und sah ein paar Minuten spaeter einen anderen Doktor hereinkommen...mit einem Riesengeraet in der Hand. Was war das? Eine Wal-Harpune? Oder vielleicht eine Schrotflinte? Nein, es war eine Spritze! Und er kam direkt auf mich zu...Es war MEINE Spritze!!! Paranoia kam auf, verwechseln die da irgendwas? Ich dachte: Noch kannst du aufspringen und fluechten, noch 10 Meter bis er bei mir ist. Ich war es ja durch die Impfungen gewoehnt mit Spritzen zugebombt zu werden aber DIESE Spritze war zu viel. Zu Spaet, er stand grinsend neben mir und fragte ob ich der Deutsche mit der Allergie bin. Ja klar und wer bist du? Der Sensemann?
Bis jetzt hatte Daniel noch ruhig daneben gesessen und mich von meiner Juckhoelle abgelenkt doch als er die Harpune sah, stand er augenblicklich auf und verliess mit bleichem Gesicht den Flur.
Alles klar, dann mal los. Der Sensemann machte ein paar Witze ueber Daniel, band mir den Arm ab, wischte kurz mit einem Eiswuerfel (!!!) ueber die Stelle am Arm wo er mir den Schuss geben wollte und setzte an. Bhaaam, die erste Spritze war drin, das Cortison noch lange nicht. Er ruehrte ein bischen mit der Spritze in meiner Vene herum und dann fing er erst an abzudruecken...langsam aber sicher. Und jetzt kam auch der Schmerz, aber wie. Mir wurde schwindelig, ich fuehlte mich betaeubt und fing an zu lachen...da war doch nicht etwa Heroin drin?!?
Alles klar, jetzt der andere Arm. Alles was ich tun konnte war lachen, lauthals, ansonsten haette ich wahrscheinlich geweint ;)
Den Rest des Tages verbrachte ich etwas benebelt und sehr schwach in meinem Bett, es muss so etwa ein halber Liter gewesen sein den ich da gespritzt bekommen habe...

Das Jucken wurde fuer 1-2 Tage besser aber die "Stiche" blieben und nach 3 Tagen ging das Jucken wieder los. Da hatte ich nun eine dicke Dosis Cortison fuer nichts bekommenm, schoene Scheisse. Daniel fuehrte mich zu einem englischsprachigen Arzt den er getroffen hatte und welcher mir netterweise umsonst ein Beratungsgespraech gab. Er fragte mich ueber den Verlauf aus, schaute sich die Stellen etwa zehn Minuten an und sagte dann: "I am 99% sure that you got the scabies, now let me wash my hands, i dont want to get em too". So, endlich konnte ich mir sicher sein was es war. Und es war die schlimmste von allen Moeglichkeiten: "The most itching thing on this planet". Es hoert sich zwar irgendwie an wie eine Krankheit aus dem Mittelalter aber ich hatte DIE KRAETZE.
Mikroskopisch kleine Kraetzmilben setzen sich in deine Hautfurchen und robben darin herum. Ab und zu muessen sie natuerlich auf Stuhlgang und kacken dir dann deine Haut zu. Das fuehrt dann dazu, dass man allergisch auf die Kacke reagiert und sich ueberall am Koerper diese kleinen "Stiche" bilden. Das einzige was man dagegen tun kann ist, sich von Kopf bis Fuss mit einer aggressiven Creme einzuschmieren, sie 24 Stunden einziehen zu lassen und darauf zu hoffen dass alle Kraetzmilben abgetoetet werden.

Wo ich mir die Kraetze geholt hab ist unsicher, es gibt viele Moeglichkeiten, ich gehe mal davon aus, dass ich sie mir im Bett von einem anderen Gast geholt hab. Ein weiterer Grund der dafuer sprach, mal das Haus zu wechseln. Wir suchten uns ein ruhiges, sauberes und wunderschoenes Guesthouse, zogen uns fuer zwei Tage zurueck und holten einiges an Schlaf nach.

Wir hatten im ersten Guesthouse einen Rastamann aus Haiti kennengelernt der uns von seiner WG erzaehlte und uns anbot fuer 400 Pesos die Woche dort zu wohnen. So langsam wurde uns langweilig und es war Zeit, sich mal nach etwas sinnvollerem umzuschauen. Wenn man 4 Wochen lang nichts anderes macht ausser die Natur zu bewundern, rumzulenzen und zu feiern, dann bekommt man richtig Lust auf viel und harte Arbeit. Das was wir ueber die WG hoerten klang sehr interessant und wir entschieden uns dazu, bis zu unserer Weiterreise nach Guatemala in der WG zu wohnen. Zusammen mit Archaeologen und Anthropologen die schon seit knapp 40 Jahren in Mexico arbeiteten, Mayamaedchen die hier Unterricht bekamen und Kuenstlern die seit 20 Jahren von Land zu Land zogen...

Doch darueber wird im naechsten Teil ausfuehrlich berichtet.

Nur zu eurer Orientierung, dieser Bericht geht nur bis zum 19. August, das heisst das wir mit unseren Koepfen jetzt schon wieder ganz woanders sind. Ich krieg das leider nicht so hin dass ihr die Berichte zeitgleich lesen koennt...Sorry for that.

@Iron
Dein Part auf dem Track ist so ziemlich das Beste was ich je von dir gehoert habe. Immer wenn ich an "Schizzenbach und Neurosenburg" denke, hau ich den Track rein...echt Bombe!!! Aber lehn dich ruhig mal zurueck und halt die Finger still, ich bin hier nicht so oft im Netz ;)

@Sandra
Na, jetzt uebertreibs mal nicht. Ich bin doch nicht hierher gefahren um nach einer Ehefrau zu suchen, du koenntest den Begriff "Liebe" noch ein bischen erweitern ;)

Bedingungslose Liebe, damit meine ich:

Die zutiefst herzliche Liebe die einem hier von den Menschen entgegengebracht wird, ohne die Bedingung, dass man sich kennt, dass man etwas kauft/verkauft oder, dass man sich jemals wieder sieht.

Und ausserdem

Die Liebe zum anderen Geschlecht, und zwar ohne die Bedingung dass man danach fuer immer zusammen zieht ;)

@Alle Grammatik-Noergler
Die spanische Tastatur besitzt weder Umlaute noch ein scharfes S...Die Kommastellungen und einige Fluechtigkeitsfehler sind das einzige was ihr mir wirklich anhaengen koennt ;)

@Alle anderen
Danke fuer alles, den Support in den E-Mails, die Ratschlaege und Tipps, die MP3s die uns so oft die gute Laune retten...dafuer dass ihr mit uns seid.

Posted by The Two 18:23 Archived in Mexico

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Comments

mann mann mann ben, das hast du ja prima hinbekommen - mit der kraetze mein ich - aber mach dir nix draus, etwas ähnlich dämliches ist mir auch schon passiert....ich wünsche euch mal wieder eine schöne zeit, viele erlebnisse, und ich warte auf den nächsten eintrag. viele gruesse, karmen

by Karmen

upps, habe vergessen die umlaute wegzulassen, sorry

by Karmen

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