A Travellerspoint blog

Leon

all seasons in one day

Nachdem wir diese Huerde genommen hatten und dabei mehr Geld verloren hatten als bei allen vorherigen Grenzuebertritten zusammen, stiegen wir in einen weitern Mikrobus welcher uns innerhalb von 3 Stunden nach Leon bringen sollte.

Die Tatsache dass Nicaragua das zweitaermste Land in der westlichen Hemisphere nach Haiti ist, machte sich hinter der Grenze schlagartig bemerkbar. Wir fuhren stundenlang auf einer unasphaltierten Strasse die mit Schlagloechern uebersaeht war und uns alle kraeftig zum headbangen animierte. Und waerend in Mexico, Guatemala und Honduras noch die Ueberzahl der Haeuser aus Beton, Stein oder Holzlatten gebaut war fuhren wir hier 2 Stunden lang nur an Wellblechhuetten oder Konstruktionen aus Aesten und Plastkiplanen vorbei.
Und wo waren die Autos? Es war ausser unserem Bus weit und breit kein Auto auf der Strasse, auch Mofas und Mottorraeder waren selten zu sehen und die Strasse war gesaeumt von Menschen welche offensichtlich einen stundenlangen Fussmarsch auf sich nehmen mussten um die noetigsten Dinge zu besorgen.

Es war das erste mal auf diesem Trip, dass einem so richtig bewusst wurde dass man sich mitten in der sogenannten "3. Welt" befindet.
In Guatmala und Honduras haben die Menschen sicherlich auch mit der schlechten Infrastruktur und der schlechten Wasser,- Elektrizitaets und Medizinischen Versorgung zu kaempfen aber das hier war, zumindest hatte ich den Eindruck, nochmal ein ganz anderes Level.
Meine Stimmung wechselte dann auch, nachdem ich den kompletten Vormittag noch lachend verbracht hatte, mehr ins nachdenkliche.
Ich hatte mich am Vortag ein bischen mit der Geschichte Nicaraguas beschaeftigt und jetzt wo ich sah was ich davor nur in Statistiken und Beschreibungen lesen konnte wurde ich wuetend. Wuetend auf die U.S.A und ihre Politik Zentralamerika betreffend, denn wer sich ein wenig mit der Geschichte dieser Laender auseinandersetzt merkt schnell dass sie alle von der U.S.A beeinflusst und gesteuert wurden und werden und das kein Land sich unabhaengig von der U.S.A entwickeln konnte (Was ja nicht nur in Lateinamerika der Fall ist). Das Land welches darunter am meisten zu leiden hatte ist wohl Nicaragua, hier versuchte man 1979 mit der vollen Unterstuerzung der Bevoelkerung eine sozialistische Regierung zu etablieren was zu einem langen, von der U.S.A initiierten, Buergerkrieg fuehrte welcher das Land noch heute stark praegt und spaltet.
Nun, lang kann ich jetzt nicht auf Politik und Geschichte eingehen aber soviel sei gesagt: Man wird sehr leicht antiamerikanisch wenn man durch diese Laender faehrt, die Art und Weise wie die U.S.A hier immer wieder ihre dreckigen Finger ins Spiel bringen ist verabschaeuengswuerdig.

Wir fuhren durch eine relativ flache Gegend und das Gruen der Felder war hier ein ganz anderes als das welches wir in den letzten Monaten im Hochland und an der Kueste gesehen hatten, viel heller und frischer. Links und rechts der Strasse waren Felder auf denen Kuehe und Pferde weideten, waeren nicht die Huetten und die Menschen gewesen haette man sich glatt in Deutschland waehnen koennen. Am Horizont sah man die Umrisse von Bergen und hin und wieder fuhren wir an Vulkanen vorbei die in dieser flachen Umgebung viel imposanter wirkten als in Guatemala wo sie von anderen Bergen umgeben waren.
Die Landschaft war wirklich bezaubernd und lenkte mich bald von meinem Amerikahass ab ;)
Es war auffallend dass in jedem Baum, in jedem Strauch und auf jeder Huette die an der Strasse standen rote und rotschwarze Flaggen wehten. Ein Land voller Kommunisten und Anarchisten?!? Kann ja nicht sein...Ich war neugierig was es damit auf sich hatte und freute mich auf Leon, eine weitere Kolonialstadt.

Mit der Zeit wurde es dunkler, wir waren allesamt todmuede und sehnten uns nach diesem anstrengenden Trip nur noch nach einer warmen Mahlzeit, einer Dusche und einem Bett. Doch es sollte noch eine Weile dauern. Der Fahrer hielt in einer kleinen Stadt ploetzlich an, behauptete dass er eine Panne habe und dass wir mit dem Linienbus, der gerade vorbeikam, weiterfahren muessten. Da keiner etwas von einer Panne mitkriegte und wir auch keine Antworten bekamen waren wir uns ziemlich sicher dass der Fahrer einfach kein Bock mehr hatte weiter zu fahren und ihm der Linienbus gerade recht kam. Wir mussten uns sehr beeilen unser Gepaeck umzuladen (Was bei einem ueberfuellten Mikrobus nicht gerade einfach ist) und schafften es noch gerade so in den Bus zu springen.

Nach einer 1 1/2 stuendigen Fahrt waren wir dann endlich in Leon wo der Bus uns am Stadtrand aussetzte. Mitlerweile war es 21 Uhr und dunkel und keiner von uns wusste wohin es geht. Busse und Taxis waren keine zu sehen und so hielten wir einen Pick-Up an auf dessen Trageflaeche trotz 5 Jugendlichen Nachwuchsgangstern noch genug Platz fuer uns war. So fuhren wir jubelnd in die Stadt hinein deren Strassen um diese Uhrzeit noch recht belebt waren und liessen uns im Zentrum absetzen.

Der latscho-Ami aus Tegucigalpa hatte uns das Big-Foot-Hostal empfohlen und so fragten wir uns durch bis wir dort ankamen und das perfekte Guesthouse vorfanden.
Der Eingangsraum war eine gechillte Bar, die Gemeinschaftskueche so gros und hoch wie eine Basketballhalle und der Innenbereich ein Traum fuer jeden erschoepften Traveller. Ein Innengarten mit vielen Pflanzen, Springbrunnen und Schildkroeten und aussenrum ein weitlaeufiger Aufenthaltsbereich mit Liegestuehlen, Haengematten, vielen Tischen,TV-DVD-Area und das wichtigste: Ein Billardtisch :) Die Schlafraeume waren zwar sehr einfach aber gross und unseren Anspruechen absolut genuegend.

Das Big Foot war voll mit Travellern aus aller Welt und die Stimmung war grossartig und sehr entspannt. Man sass schnell mit Israelis, Italienern, Iren, Amis, Kanadiern, Aussies, Franzosen, Daenen, Englaendern, Suedafrikanern, Schweizern und Deutschen um einen der Tische, tauschte sich ueber seine Reiseerfahrungen aus und plante seine weitere Route.

Es war darueberhinaus der perfekte Ort fuer Sportsfreunde wie uns. In den darauffolgenden Tagen wurde so gut wie ausschliesslich Pool oder Poker gespielt und natuerlich Fussball geschaut (Championsleague und alle europaeischen Topligen).
Lange Fussballphilosophie-Sessions mit Guy (Manchester United) und Sebastien (Paris SG und Lyon erfolgsfan). Daniel zockte ordentlich Poker und hatte das Siegerglueck auf seiner Seite und wir veranstalteten ein Pool-WM.
England/Italien konnte im Finale mit viel Glueck Deutschland/Frankreich bezwingen...Dejavue? ;)
Der Sportsgeist faerbte auch auf die Namensgebung ab, ab sofort hiess man nichtmehr Guy, Sebastien oder Daniel sondern einfach nur England, France oder Germany und den ganzen Tag schallten Laendernamen durchs Hostal.

Die Leute im Hostal waren durch die Bank weg schwer in Ordnung. Da war der Australische Besitzer der Vulkan,- Sandboarding-Touren veranstaltete und seine lockere Crew, Pablo der Brasilianische Kunstschmied der im Hostal seine Ware anbot und auf Bestellung anfertigte, viele nette Traveller und unsere Gang die immer mehr zusammenwuchs.

Ich las im schnelldurchlauf meinen "Homo Faber" durch, ein Wahnnsinsbuch welches mich lustigerweise an Orte brachte an denen ich erst vor ein paar Wochen gewesen war, Daniel machte bei der Vulkanboarding-Tour mit (War mir leider zu teuer) die unglaublich geil gewesen sein musss und ansonsten schlenderten wir durch die Strassen, widmeten uns dem Sport oder hoben ein paar Biersche.

Die Stadt Leon war interessant. Viele kleine Laeden mit allem moeglichen Kram zwischen Bayerntrikots und Kaffemaschinen, die Strassen voll mit CD, DVD und Kappenstaenden und hin und wieder fuhren mit dickem Soundsystem und Megaphon ausgestatte Pick Ups durch die Strassen, voll beladen mit Fahnenschwenkenden und johlenden Jugendlichen welche mir die Antwort auf die Frage was es mit den rot,-schwarzen Fahnen auf sich hat ins Gesicht bruellten: Nicaragua war mitten im Wahlkampf und die sozialistische FSLN hatte offensichtlich die groesste Unterstuetzung was man unschwer an der Ueberzahl der FSLN-Pick-Ups erkennen konnte.
Architektonisch war auch diese Stadt sehr Kolonialistisch gepraegt nur mit dem Unterschied dass hier die Gebaeude weitaus heruntergekommener waren und hier und da Einschussloecher vom Buergerkrieg zu sehen waren. Aber das machte sie nicht weniger ansehlich, im Gegenteil. Eine heruntergekommene, teilweise halb zerfallene Kirche aus dem 16 Jahrhundert hat einen ganz anderen Charme als eine frisch renovierte und gepinselte aus der selben Zeit.
Die Atmosphaere in der Stadt war aussergewoehnlich und mit keiner der vorherigen Staedte zu vergleichen. Die Menschen waren europaeischer aussehend und gekleidet und der Wahlkampf brachte ein geradezu revolutionaeres Feeling hinein.

Nach 3 Tagen in Leon beschlossen wir weiter zusammen in Richtung Granada weiterzuziehen. Der Daene war abgesprungen und wir nahmen mit Sue eine sehr liebe Kanadierin in die Gang auf.

Mit dem zusammen traveln das ist so ne Sache. Man trifft oft auf Traveller die sofort mit einem zusammen reisen wollen weil man 3 Woerter miteinander gewechselt hat, das kann dann recht laestig werden denn wie erklaert man denen dass man daran kein Ineresse hat ohne unhoeflich zu werden? Es gibt die verschiedensten Sorten von Travellern, darauf will ich hier an dieser Stelle mal etwas humoristisch eingehen:

Nun, an erster Stelle waeren da die "Drogentouristen". Freigeister die von den unzaehligen exotischen, bewusstseinserweiternden Kraeutern, Pilzen und Pflanzen angezogen werden die man in Europa, Nordamerika oder Australien entweder garnicht oder nur in kleineren Dosen oder mit kleinerer Konzentration bekomen kann. Das koennen sehr witzige Personen sein die fuer jeden Spass zu haben sind und einem das schoene Gefuehl geben koennen dass das Leben ein Vergnuegungspark ist... Man muesse es nur wissen. Oftmals sind es aber auch einfach nur bemitleidenswerte Menschen die in der Heimat wohl als Junkies bezeichnet werden koennen und sich hier wohler fuehlen weil sie sich nicht rechtfertigen muessen und nicht so aus der Menge stechen weil es einfach viel mehr von ihnen gibt.

Dann gibt es da die "Haengengebliebenen", damit meine ich nicht haengengeblieben im Sinne von beschraenkt (Was aber in dieser Gruppe durchaus auch vorkommt..hehe) sondern im wortwoertlichen Sinne. Freigeister die ihren Rueckflug verstreichen haben lassen oder gar keinen haben und teilweise seit Jahren durch die Gegend reisen, Handlangertaetigkeiten ausueben, sich unter die einheimischen Kunsthandwerkler gesellen und versuchen so gut wie moeglich wie ein Local zu wirken und zu leben. Da sieht man dann z.B. oft zwischen Mayafrauen in Tracht die an der Strasse sitzen und ihre Ware anbieten eine "verkleidete Gringa" sitzen und Freundschaftsbaendchen flechten.
Das koennen sehr angenehme, weltoffene und interessante Personen sein, oftmals sind sie aber auch einfach nur bemitleidenswert. Diese sehen sich dann als die Travel-Elite an und schauen oft mit Abscheu auf Touri-Traveler herab, wahrscheinlich weil sie durch sie immer wieder an ihre eigene verhasste und verdraengte Herkunft errinnert werden. Man hoert sie oft schlecht ueber ihre Heimatlaender reden, dort sei es kalt, haesslich und die Menschen seien unfreundlich...Ueberhaupt sei dort alles total scheisse, der Unterton ist sie seien eigentlich gar keine "Westler" mehr...Sie merken dabei nicht dass das etwas verbohrte europaeische Denken immernoch tief in ihnen verankert ist und vergessen leider dass ihre Versicherung, ihr Kreditinstitut und ihre Eltern dort sitzen und allzeit bereit sind sie aus jeglichem Schlammassel zu befreien.

Die Grenze zwischen diesen beiden Gruppen ist oftmals fliessend.

Dann gibt es die "Krassen-Traveller".
Freigeister die einfach mal krass sein wollen und von der Krassheit angezogen werden die ihnen der Trip verspricht. Sie machen alles was krass ist und wenn sie was erzaehlen dann hoert man immer die Frage "Krass oder?" mit hindurch. Das koennen sehr angenehme Zeitgenossen sein die einfach nur nach Adrenalin und Abwechslung aus sind und einfach eine Zeit lang ihrem Alltag entfliehen, etwas erleben, das Leben riechen wollen. Oftmals sind es aber auch furchtbar anstrengende Personen die sich wie der krasse Kolumbus fuehlen und so tun als ob sie die Einzigsten und Ersten waeren die diesen Trip machen. Leider merken sie oft nicht dass sie sich im Endeffekt auf derselben Erde befinden und dasselbe machen wie Millionen Menschen zuvor. Auch sie wandeln auf begangenen Pfaden. Aber man laesst ihnen natuerlich gerne ihren Spass.

Dann gibt es da die "Crimetraveler". Radikale Freigeister die in ihrem Heimatland aus den verschiedensten Gruenden gesucht werden, ihre Freiheit verlieren wuerden und deshalb nicht zurueckkehren wollen. Das sind meistens Amerikaner und koennen sehr sehr coole Menschen mit den interessantesten Geschichten sein. Sie kommen aus den verschiedensten Gruenden hier her, entweder weil sie einfach nur frei sein wollen, ein neues Leben anfangen wollen oder aber weil sie ihrer kriminellen Energie hier weiter ungestoert freien Lauf lassen koennen.
Das sind Menschen zwischen 8 und 88 und ihr Strafregister reicht von "Mitglied in einer terroristischen Vereinigung" (Anarchisten, Umweltschuetzer und Kommunisten gelten in Amerika wohl mittlerweile teils schon als solche) ueber Drogenhandel bis Vergewaltigung/Mord.

Nun, dann gibt es die tatsaechlichen reinen Touri-Traveler. Nur MEISTENS Freigeister die von den vielen Naturwundern, Kolonialbauten und Ruinen angezogen werden die es hier zu bestaunen und zu geniessen gibt. Das koennen von Polizisten ueber Bankiers bis Dachdecker alle Berufsklassen sein die sich einfach nur eine Auszeit genommen haben. Leider haben diese meistens eine Heidenangst vor den Einheimischen und bewegen sich nur in den fuer sie vorgefertigten Bahnen, bekommen von den Einheimischen aber wenig mit und meiden jeglichen Kontakt so gut wie es geht...Das geht oftmals ins unterschwellig rassistische. Man findet unter ihnen viele sehr nette, aufgeschlossene Menschen aber ihre Dekadenz ekelt teilweise an.

Darueber hinaus waeren da die Partytraveler, nicht zu verwechseln mit den Drogentravelern.
Freigeister die von dem Tequila/Rum, dem Salsa und den schoenen Latinas/Latinos angezogen werden. Oft wuerde man diese Menschen eher auf Majorca erwarten und in dieser Gruppe gibt es verhaelltnissmaessig viele Frauen/Maedchen. Sie koennen immer...sowohl feiern als auch ficken und sehen es als Affront an wenn man nicht mitmachen will. Sie haben oft eine Ausruestung wie ein all-inclusive Urlauber und ein sehr grosses Budget. Das sind oft sehr witzige und unbeschwerte Personen die fuer jeden Spass zu haben sind, koennen aber auch unheimlich anstrengede und aufdringliche Vollpfosten sein. Was sie alle gemeinsam haben, sie sind nicht allzu gebildet, koennen kein Gespraech ueber 5 Minuten fuehren und lieben den Spruch: U only have one life to live. Ich habe in dieser Gruppe sowohl sehr gute Compañeros/Compañeras als auch Feinde bis aufs Blut gefunden.

Dann gaeb es da noch die "Lass mich alleine-Traveler".
Freigeister die von langen Wanderungen, einsamen Stunden mit Buch in der Haengematte und kulturellen Besichtigungen angezogen werden. Eventuell hoffen sie hier ihre grosse Liebe zu finden oder etwas kommunikativer zu werden aber so richtig glauben koennen sie wohl nicht dran sonst wuerden sie sich ja unter Menschen begeben. Sie gehen frueh schlafen, lieben es alleine zu sein und reisen mit der Attituede "I am a lonesome cowboy" durchs Land. Das sind meistens sehr feine und interessante Personen die ueber ein bestimmtes Thema (oder auch ueber alles) sehr gut bescheid wissen und mit denen man lange Gespraeche fuehren kann wenn man denn mal zu ihnen durchdringen kann. Oft geben sie einem jedoch auch das Gefuehl dass es schon eine Frechheit darstellt wenn man nur in einem Bus mit ihnen sitzt. Diese Gruppe ist schwer einschaetzbar, es koennen mitunter auch absolute Partyanimals sein die bis Mitternacht schlafen und dann schweigsam aufstehen, rausgehen und sich erst am naechsten Morgen wieder total besoffen ins Bett fallen lassen...Alleine, versteht sich.

Eine sehr ulkige Gruppe sind die "Ich muss weg-Traveler"
Freigeister die leider viel zu wenig freie Zeit haben und sich fuer diese Zeit auch noch viel zu viel vorgenommen haben. Sie hasten von Ort zu Ort, versuchen alles mitzunehmen was in der Naehe ist und muessen wieder weiter bevor sie ueberhaupt angekommen sind. Oft Traveler die ein all arround the world ticket haben und in 10 Tagen ihren Weiterflug 2000 kilometer suedlich erreichen muessen.

Ausserdem noch die "Ich bau mein Ego auf-Traveler"
So gut wie ausschliesslich Maedchen nach denen sich in Europa eher weniger Maenner umdrehen wuerden, die hier aber von den Chicos wie Divas behandelt werden. Das sind sehr liebe Maedels die es sichtlich geniessen mal voll im Mittelpunkt der Maennerwelt zu stehen, teilweise jedoch das weibliche Gegenstueck zu den Sextouristen darstellen die nach Thailand fahren um jeden Tag 3 verschiedene Frauen zu haben.

Nun, dann gibt es noch die Polittraveler die von Che Guevara und der Revolution angezogen werden jedoch leider zu spaet gekommen sind und nur noch kapitalistische und unterdrueckerische Polizei,-Militaerstaaten vorfinden.

Die Gruppentraveler, oft Israelis die grade die Armeezeit hinter sich gebracht haben, sich mitsamt ihrer Einheit nach Lateinamerika abgesetzt haben, unter sich bleiben und auf Angriffe warten.

Ausserdem noch Mitleidstraveler, Welle-Walle-Waldfrauen, Paedophile Sextouristen und Extremsportler.

Die praegnanstesten Gruppen sind auf jeden Fall die ersten 5, insbesondere die ersten 2, natuerlich gehoert man selten nur einer Gruppe an sondern setzt sich aus 2-3 zusammen.
Die Ueberzahl besteht natuerlich eh aus Travel-Travelern, bedingungslose Freigeister die einfach frei bleiben und schizophren von Gruppe zu Gruppe springen.

Es ist mir schon klar dass es nicht ganz korrekt ist Menschen so in Schubladen zu stecken aber es ist immer wieder amuesant zu sehen wie diese Schubladen zutreffen bzw. wie sie sich selbst in diese Schubladen stecken. Welcher Gruppe ich angehoer??? Nun, wenn ich mich zuteilen muesste wohl am ehesten den "Krassen" und den "Touris"...Mit den Beigeschmaeckern Polit, Party und Lass mich alleine ;)

Aus diesem Mix hatte man sich also seine Reisegefaehrten auszusuchen, bis dahin sind wir hauptsaechlich alleine gereist aber mit Guy, Sebastien, Anelenne und Susan hatten wir eine sehr gut harmonierende Gruppe gefunden die Spass machte und wir beschlossen noch fuer eine Weile zusammen zu bleiben.

Am letzten Abend veranstaltete Pablo der Brasilianische Kunstschmied noch eine kleine Party. Er schlug uns vor dass wir das Essen und die Getraenke einkaufen und er dafuer fuer 20 Hostelgaeste seine Wohnung zu verfuegung stellen wuerde und uns bekochen wuerde. Das klang gut und wir willigten ein. Pablo war ein etwa 40 jaehriger Chavo aus Brasilien der in Nicaragua gebliben war weil er hier einen Sohn hatte und diesen nicht mit seiner "von Grund auf boesen" Mutter alleine lassen wollte...Ein Vernuenftiger Gedanke ;)
Nun, seine Wohung stellte sich als ein dreckiges Zimmer ohne Moebel und Sitzmoeglichkeiten heraus in welches niemals 20 junge, angetrunkene Menschen gepasst haetten und auch das Essen haetten wir selber wahrscheinlich besser verarbeitet aber es gab einen weitraeumigen "Innenhof" wo wir uns auf eine Stufe setzen konnten und Pablo war ein wirklich korrekter Typ der es nur gut gemeint hatte.

An diesem Abend unterhielt ich mich ausgiebig mit einem von Pablos jugendlichen Freunden ueber das Weltgeschehn und die Zukunft der Menschheit und es war wenn nicht ueberzeugend so zumindest interessant was dieser zum besten gab. Er war sehr gebildet, liebte deutsche Philosophie und Dichtung (Woraus er erstmal eine Reihe von Spruechen zitierte) und war ein Sohn von Kubanisch,- Venezuelanischen Einwanderern die ihn im sowjetischen Ungarn zur Welt brachten wo sie "Revolution" studierten...Der Witz kam an :)
Er war der vollen Ueberzeugung dass die "Westliche Welt" kurz vor dem Untergang steht, die Menschheit im Zuge dessen in den groessten Krieg seit ihrer Entstehung geraten wuerde und dadurch auf eine Population von 2 Milliarden reduziert wuerde. Und so stellte er sich das vor:
Europa wird in Zukunft von der islamischen Welt unterwandert und fuer seine koloniale Vergangenheit zur Rechenschaft gezogen (Nun, diese Einschaetzung konnte ich bis zu einem bestimmten Punkt zumindest nachvollziehen). Russland wird sich einschalten und versuchen seinen Nutzen daraus zu ziehen, dadurch das Desaster jedoch erheblich vergroessern und einen brutalen Krieg anzetteln.
Zur selben Zeit werden sich die Lateinamerikanischen Laender zu einem riesigen Feldzug gegen Nordamerika vereinen, nachdem die Hispanische Bevoelkerung in den Staaten schon einen Guerrillakrieg angezettelt hat...versteht sich. Diese beiden grossen Konflikte werden dazu fuehren dass die Weltwirtschaft kollabiert (Logisch) und die Erde in ein riesiges Schlachtfeld verwandeln.

Wow, das war starker Tobak was mir dieser leicht depressive junge Mann da auftischte...Und nun lasset uns beten ;)

Nach einer Weile wurde es mir aber dann zuviel, ich wollte gut gelaunt nach Hause gehen und hatte keine Lust auf den Weltuntergang, so wandte ich mich Susan zu die neben mir sass, aufmerksam zuhoerte und es immer mehr mit der Angst zu tun bekam.
Die Party war noch sehr witzig, die Partygesellschaft sass noch lange zusammen auf dieser Stufe, trank Bier und unterhielt sich ueber leichtere Themen wie z.B. "Mit dem Huskyschlitten zur Schule", "Wie werd ich den besoffenen Israeli los" oder "Eintracht Frankfurt - Newcastle United".

Und dann passierte es, die Geburtsstunde einer engen Beziehung zwischen mir und einer Band um die ich bis zu diesem Zeitpunkt einen grossen Bogen gemacht haben muss.

Pablo legte eine CD ein und die RAMONES bruellten in die Nacht hinaus:

I¨m --- looking for --- something to -- believe in
And I --- dont know where to start --- and i dont know where to begin

(Ratatataaaaatatata usw. Geiles Riff :))

Ganz simpel, ganz einfach, eigentlich schon pubertaer...Aber etwas was mir in Zeiten von zahllosen Verschwoerungstheorien und Weltuntergangsszenarien und auf einer Reise die meinen Kopf zehnfach durchwirbelte sehr aus dem Herz sprach.

Posted by The Two 15:01 Archived in Nicaragua

Email this entryFacebookStumbleUpon

Table of contents

Comments

Wow soo viele Freigeister!
Sehnt man sich da nicht manchmal nach den heimatlichen Hals-Starrern, Horizont-Veraengerern und Frust-Fressern?
Aber die gibts ja sicher selbst unter den ganzen Travlellern... ;)

Geniess Deine restlich Zeit dort, Du alter, echter Freigeist,

Dein Bruder.

by der ältere

This blog requires you to be a logged in member of Travellerspoint to place comments.

Enter your Travellerspoint login details below

( What's this? )

If you aren't a member of Travellerspoint yet, you can join for free.

Join Travellerspoint